Kältetechnik in der Lebensmittellogistik: Schlüsseltechnologie für Qualität und Effizienz in der Branche

Ob Tiefkühlpizza, Joghurt oder Lachs: Viele Produkte im Supermarkt müssen durchgehend gekühlt werden. Bereits geringste Temperaturschwankungen können zu Verderb oder Qualitätseinbußen führen. Die Nagel-Group stellt mithilfe moderner Kältetechnik sicher, dass Millionen von Lebensmitteln täglich unversehrt vom Produktionsstandort bis ins Regal gelangen.

Kältetechnik Kälteanlage

Eine stabile und zuverlässige Kälteanlage ist entscheidend für Produktqualität und Versorgungssicherheit.

Herausforderungen der modernen Kältetechnik

Mit ihren rund 130 Lager- und Umschlagzentren betreibt die Nagel-Group mitunter die größten Kühlschränke Europas. Insgesamt verfügt das Unternehmen rund 1,8 Millionen Palettenstellplätze für Trocken-, Frische- und Tiefkühlwaren. Das Rückgrat dieser Logistik bilden moderne Kälteanlagen. Sie halten die Temperatur in den Hallen der Nagel-Group konstant, sodass die Qualität der eingelagerten Produkte gesichert wird.

Kälteanlagen können einen wesentlichen Anteil am Energiebedarf eines Standorts ausmachen. Hinzu kommen steigende Anforderungen durch längere Lieferketten, höhere Qualitäts- und Hygienestandards sowie strenge gesetzliche Vorgaben, wie die EU-F-Gase-Verordnung1 zur Reduzierung klimaschädlicher Kältemittel.

„Unsere Investitionen in moderne Kältetechnik sind integraler Bestandteil unseres umfassenden Modernisierungsprojekts der Standortinfrastruktur“, sagt André Pleines, Executive Director Real Estate. „Unser Ziel ist es, unsere Standorte leistungsfähig und zukunftssicher auszurichten.“

Multi-Temp-Anlage in Nürnberg

Natürliche Kältemittel

Im Rahmen dieser Modernisierung stellt die Nagel-Group auf natürliche Kältemittel wie CO₂ (R744) und NH₃/Ammoniak (R717) um. Jüngste Bauprojekte wie die Multi-Temp-Anlage in Schweitenkirchen, das automatisierte Hochregallager in Nürnberg und der neue Logistikkomplex in Hamburg werden von Beginn an mit diesen betrieben. Parallel dazu werden bestehende Anlagen modernisiert und durch Kälteanlagen mit natürlichen Kältemitteln ersetzt.

Digitalisierung, KI und Automatisierung

Neben der Umstellung der Kältemittel gewinnt auch die digitale Steuerung der Anlagen zunehmend an Bedeutung. Um Abläufe transparenter zu gestalten, setzt die Nagel-Group auf digitale Steuerungssysteme und IoT-Monitoring (wir berichteten dazu am 23.04.2025 in unserem Newsroom). Dadurch lassen sich Temperaturverläufe digital erfassen und dokumentieren. Abweichungen können frühzeitig erkannt und betroffene Prozesse gezielt überprüft werden. Die erfassten Daten können zudem dabei unterstützen, den Energieeinsatz zu analysieren und mögliche Einsparpotenziale zu identifizieren.

PM Cellcube

Am Standort Bochum ist ein innovativer Batteriespeicher des österreichischen Herstellers CellCube in Betrieb.

Energieeffizienz durch Eigenversorgung

Um den hohen Energiebedarf der Kälteanlagen zu decken, ist ein smartes Energiemanagement erforderlich. In Deutschland stehen der Nagel-Group rund 45.000 m² Photovoltaikfläche zur Verfügung. Durch den Einsatz von Photovoltaik-Anlagen in Kombination mit modernen Batteriespeichern wird nicht nur Strom selbst erzeugt, sondern auch gespeichert. So zum Beispiel am Standort Bochum, wo seit Kurzem ein Batteriespeicher des österreichischen Herstellers CellCube mit einer Speicherkapazität von 2,5 MWh und einer maximalen Leistungsabgabe von 500 kW im Einsatz ist. Der Speicher stellt nachts oder an Tagen mit geringer Sonneneinstrahlung überschüssige Energie für die Kühlung bereit.

Lückenlose Kühlkette

Die Kältetechnik ist ein zentraler Bestandteil der Lebensmittellogistik. Zuverlässige Kälteanlagen unterstützen die Einhaltung der erforderlichen Temperaturbereiche und damit die Qualität der eingelagerten und transportierten Produkte.

Die Nagel-Group entwickelt neben ihrer Kältetechnik auch die Energieversorgung und die Fahrzeugflotte weiter. Elektrische Sattelzugmaschinen und Kühlauflieger sind bereits Teil der bestehenden Flotte. Weitere Maßnahmen werden unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen geprüft und umgesetzt.

 

1 F-Gase-Verordnung
Mit den Verboten und Beschränkungen der europäischen F-Gase-Verordnung sollen die Emissionen der treibhauswirksamen fluorierten Kältemittel (F-Gase) reduziert werden.

 

aktualisiert am 22.09.2026

So funktioniert eine Kälteanlage

Eine Kälteanlage arbeitet in einem geschlossenen Kreislaufsystem, ähnlich wie ein großer Kühlschrank. Sie hält die gewünschte Temperatur durch einen kontinuierlichen, geregelten Wärmetransport: Dem Raum wird ständig genau so viel Wärme entzogen, wie von außen wieder hineinströmt.

Das geschieht in mehreren Schritten: Das Kältemittel nimmt im Verdampfer Wärme aus der Umgebung (z.B. Kühlraum) auf und verdampft dabei. Der Kompressor zieht dieses Gas an und verdichtet es, wodurch Druck und Temperatur steigen. Im Verflüssiger gibt das heiße Kältemittel die aufgenommene Wärme an die Umgebung ab und wird wieder flüssig. Über ein Expansionsventil sinkt anschließend der Druck, das Kältemittel kühlt stark ab und kann im nächsten Zyklus erneut Wärme aufnehmen. Dieser geschlossene Prozess sorgt dafür, dass die Temperatur zuverlässig und konstant gehalten wird.