Thermografische Gebäudeinspektion aus der Luft: Die Nagel-Group setzt auf Drohnen mit Wärmebildkameras
Auf den ersten Blick wirkt das Dach eines Logistikzentrums meist unspektakulär. Doch gerade dort lassen sich wichtige Informationen über den Zustand des Gebäudes gewinnen. Mithilfe von Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, führt die Nagel-Group thermografische Untersuchungen ihrer Logistikimmobilien durch. Dabei werden Temperaturunterschiede sichtbar. Künftig soll diese Technologie die Gebäudeinspektion an mehr als 130 Standorten in Europa unterstützen und zusätzliche Informationen über Dächer, Fassaden und technische Anlagen liefern.
Ob Kühlhaus, Tiefkühllager oder Umschlaghalle: Logistikimmobilien bilden die Grundlage für die sichere Lagerung und den zuverlässigen Warenfluss in der Lebensmittellogistik. Gleichzeitig sind sie dauerhaft Witterungseinflüssen, Temperaturschwankungen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Eine regelmäßige und möglichst umfassende Kontrolle der Gebäude ist daher ein wichtiger Bestandteil des Immobilienmanagements.
Die thermografische Untersuchung per Drohne erweitert dabei die Möglichkeiten der Inspektion. „Mit der Drohne erhalten wir innerhalb kurzer Zeit einen sehr detaillierten Überblick über den Zustand eines Objekts vor Ort. Das hilft uns, thermische Auffälligkeiten gezielt zu untersuchen und notwendige Maßnahmen frühzeitig einzuleiten“, erklärt André Pleines, Executive Director Real Estate bei der Nagel-Group.
Schwachstellen frühzeitig erkennen
In Kühl- und Tiefkühllagern spielt die Gebäudehülle eine zentrale Rolle. Sie trägt dazu bei, die gewünschten Temperaturbedingungen im Inneren stabil zu halten. Eine Wärmebildkamera erfasst die von Oberflächen abgegebene Infrarotstrahlung und stellt unterschiedliche Temperaturbereiche als Wärmebild dar.
Anhand der Aufnahmen lassen sich beispielsweise thermische Abweichungen im Bereich von Lichtkuppeln, Dichtungen oder Übergängen zwischen Dach, Wand und Fassadenelementen erkennen. Solche Bereiche können gezielt näher betrachtet und bei Bedarf weiter untersucht werden. Damit unterstützt die Thermografie eine vorausschauende Instandhaltung und hilft dabei, den Zustand der Gebäude kontinuierlich im Blick zu behalten.
Mehr Sicherheit bei Inspektionen
Neben der Thermografie unterstützt die Drohne auch bei klassischen Gebäudeinspektionen. Das rund vier Kilogramm schwere Fluggerät ist mit einer leistungsstarken Zoomkamera ausgestattet. Damit lassen sich Objekte aus sicherer Entfernung bis zu 200-fach vergrößern. Die hochauflösenden Aufnahmen liefern so zusätzliche Einblicke und ergänzende Informationen für die Beurteilung eines Standorts.
Darüber hinaus kommen eine Weitwinkelkamera sowie ein Laser-Entfernungsmesser zum Einsatz. Automatisierte Flugrouten ermöglichen die systematische Erfassung großer Dachflächen innerhalb weniger Minuten. Ein Gebäude mit mehreren Tausend Quadratmetern Fläche lässt sich vollständig dokumentieren, ohne dass Mitarbeitende das Dach betreten müssen. Das erhöht nicht nur die Arbeitssicherheit, sondern erleichtert auch die Untersuchung schwer zugänglicher Bereiche.
Vor jedem Einsatz werden die Wetterbedingungen, das Flugumfeld, mögliche Hindernisse, Personen- und Fahrzeugbewegungen sowie sicherheitsrelevante Bereiche geprüft. Die Drohnenflüge werden gleichzeitig unter Berücksichtigung der geltenden rechtlichen Vorgaben, interner Sicherheitsstandards und datenschutzrelevanter Anforderungen durchgeführt.
„Bevor jemand ein Dach betritt, können wir mit der Drohne zunächst prüfen, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht. Das spart Zeit und erhöht gleichzeitig die Sicherheit“, sagt André Pleines.
Bei der Untersuchung eines 10.000 m² großen Gebäudes entstehen bis zu 5.000 Einzelaufnahmen. Eine spezielle Software setzt die Bilder anschließend zu hochauflösenden Gesamtansichten zusammen. So entstehen detaillierte Datengrundlagen, die eine präzise Analyse ermöglichen und Verantwortlichen konkrete Hinweise auf notwendige Reparatur- oder Instandhaltungsmaßnahmen liefern.
Anschließend werden die gewonnenen Bild-, Wärmebild- und Messdaten strukturiert dokumentiert, vorbewertet und den zuständigen Fachbereichen zur weiteren Prüfung zur Verfügung gestellt. So entsteht eine nachvollziehbare Grundlage für Instandhaltung, Sanierungsplanung, Budgetierung und Real-Estate-Audits.
Bestandteil der Immobilienstrategie
Seit Anfang 2026 hat das Real-Estate-Team bereits 19 Standorte der Nage-Group mithilfe einer Drohne untersucht. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen zunehmend in die Bewertung und Instandhaltung der Immobilien ein. Künftig will die Nagel-Group die Drohneninspektionen systematisch in ihre Real Estate-Audits integrieren. Regelmäßige Aufnahmen schaffen Transparenz über den Zustand der Gebäude und liefern eine wertvolle Datengrundlage für langfristige Investitionsentscheidungen.
Darüber hinaus eröffnen die gewonnenen Daten weitere Perspektiven. Neben Thermografie-Aufnahmen können die Systeme bereits heute hochpräzise 3D-Modelle von Gebäuden und Standorten erstellen. Langfristig verfolgt die Nagel-Group das Ziel, digitale Zwillinge ihrer Immobilien aufzubauen, um die Dokumentation und Planung weiter zu optimieren.
Auch Photovoltaikanlagen bieten zusätzliche Einsatzmöglichkeiten. Thermografische Aufnahmen können Auffälligkeiten an Modulen sichtbar machen und bei der Identifikation möglicher Wartungsbedarfe unterstützen.

